Netzwerktreffen in Kassel

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Leitbild und Mission Statement, Geschichte und Zukunft des Netzwerks, Social-Media-Auftritt und Branding, Community Building und Grundlagen der grafischen Gestaltung – dies sind nur einige der Themen, denen wir uns beim ersten Netzwerktreffen der Redaktionen in Kassel gewidmet haben. Menschen aus den Netzwerkredaktionen und der Koordinationen nahmen an Workshops teil und tauschten sich im Plenum, in Regionalgruppen, in Kleingruppen aus…

Trotz Corona: Endlich das erste Treffen des ganzen Netzwerks.

2020 ist kein gutes Jahr für das Netzwerken, da beißt keine Maus einen Faden ab. Dennoch haben wir uns sehr gefreut, dass wir uns nun in Kassel endlich mal alle von Angesicht zu Angesicht begegnen konnten. Die Regional- und Lokalkoordinator_innen und mindestens ein_e weitere Redakteur_in von jeder Netzwerkredaktion trafen sich vom 11. bis zum 13. September 2020 in Kassel.

Themen: Von Geschichte, Identifikation und Zukunft.

Rufine und Niels aus Freiburg stellten uns die Geschichte der Netzwerkarbeit vor, denn schon seit Ende 2016 treffen sich Menschen aus unseren transkulturellen Redaktionsteams in unregelmäßigen Abständen, seit 2018 wurde an der Webseite colorfulvoices.net gearbeitet. Der jährliche Kongress des Bundesverbands Freier Radios (BFR) und das Radiocamp waren traditionell die Orte der Begegnung für das Netzwerk, bevor es finanziell möglich wurde, auch eigene Treffen zu organisieren – und werden auch im Netzwerkprojekt weiter wichtige Partner darstellen.

Dann ging es aber auch um die Gegenwart der Zusammenarbeit: Die Redaktionen stellten sich in Kurzinterviews gegenseitig vor und wir sprachen über unsere zukünftige Zusammenarbeit, die sich ganz besonders auf vier Aktivitätsfelder fokussiert:

  1. Netzwerk vergrößern (neue Projekte finden, die teilnehmen wollen)
  2. Austausch verstärken (Netzwerktreffen und Redaktionsbesuche)
  3. Ausbilden (Workshops Netzwerktreffen oder in Redaktionen, sowie online)
  4. Stimmen erheben und Menschen erreichen (Senden, Webauftritt, Social Media)

Wir sprachen über unsere Selbstidentifikation, sowohl als Gesamtprojekt als auch als individuelle Teile des Ganzen und über die Anforderungen, welche Redaktionsgruppen an das Netzwerk stellen. Wir sprachen über unsere Selbstbezeichnungen als Gruppe und Individuen, über die Identifikation als netzwerk medien.vielfalt! und als Colorful Voices, über unsere Logos, unseren Außenauftritt und kommende Aktivitäten der Öffentlichkeitsarbeit. Zu erwähnen sind hier in erster Linie das anti-rassistische Instagram-Magazin des Netzwerks, das noch im Herbst diesen Jahres starten soll und unsere Planungen zur Vorstellung der Netzwerkaktivitäten auf der Zukunftswerkstatt Community Media #zwcm des BFR, die in diesem Jahr leider ebenfalls nur online stattfinden kann.

In den Treffen der Regionalgruppen planten wir konkrete Aktivitäten für den Rest des Jahres und sprachen darüber, in welcher Form die regionale Kommunikation der Lokalgruppen am besten funktionieren wird. In einem Word Café arbeiteten wir gemeinsam an unseren Texten über unser Selbstverständnis und Leitbild und an unserem Mission Statement. Viele der Themen werden wir beim nächsten Netzwerktreffen Ende November wieder aufgreifen.

Ausbildung: Zwischen grafischer Gestaltung und „Community Building“.

Das miteinander und voneinander Lernen ist eines der wichtigsten Aktivitätsfelder in unserer Zusammenarbeit. Auch auf dem Netzwerktreffen in Kassel fanden deshalb eine Anzahl von Workshops statt:

ZINE – how to make your own magazine
Zines existieren bereits seit dem 19. Jahrhundert und sind traditionell Medien, die zum Informationsaustausch in Subkulturen und von marginalisierten Gruppen genutzt werden. Anhand der Erstellung eines einfachen Zines zu einem frei wählbaren Thema zeigte uns Krishan die Grundideen sowohl der Informationsvermittlung im Marketing als auch ein zielführenden grafischen Gestaltung auf. Diese Kompetenzen werden uns in der Öffentlichkeitsarbeit für das Netzwerk sowohl off- als auch online helfen.

Community Building: An Offers and Needs Market
Mahtab gab einen Workshop zu der Methode „Offers and Needs Market“ als Tool zum Community Building. Die Methode wurde vom Post Growth Institute entwickelt und schafft Vertrauen und Beziehungen innerhalb einer Community durch den Austausch von Bedarfen und Kompetenzen der Gruppenmitglieder.

Grundlagen der Simultanübersetzung bei Veranstaltungen für Vortragende oder Workshopleitende
Thierry vermittelte uns grundlegende Informationen darüber, wie Multilingualität durch Simultanübersetzung bei Veranstaltungen umgesetzt wird. Der Fokus des Workshops war, potentiellen Vortragenden Werkzeuge an die Hand zu geben, um ihre Themen so zu gestalten, dass sie einfacher in andere Sprachen zu übertragen sind. Dieser Kurs soll bei späteren Treffen weitergeführt werden.

Grundlagen der transkulturellen Medienarbeit mit Kindern (und Jugendlichen)
In dem Train-the-Trainer-Workshop ging es darum, wie die Grundsätze transkultureller Medienarbeit auf die Arbeit mit jungen Menschen übertragbar sind. Die Informationen sind sowohl auf die Arbeit mit Kinder- oder Jugendredaktionen anwendbar als auch auf Workshops und Seminare für junge Menschen. Die Hauptidee: Unterschätzt Eure Teilnehmenden nicht! Oft sind bei jungen Menschen Vorurteile gegenüber Menschen mit anderer Lebensgeschichte viel weniger gefestigt als bei Erwachsenen, transkulturelle Arbeit mit ihnen wird also oft viel fruchtbarer sein.

Redaktionelle Arbeit: Von Radiosendungen, Onlineangeboten und Podcasts.

Sowohl in den Regionalgruppen als auch überregional arbeiteten Teilnehmende journalistisch zusammen. Das Netzwerk produziert Radiosendungen und Podcasts und wird zukünftig noch medienübergreifender arbeiten, mit Texten als auch Videobeiträgen.

Alle aktuellen und kommenden Podcaster_innen stellten sich beim Treffen vor und wir freuen uns sehr auf die Neuzugänge: entwurzelt, aber… von Manizha und Lola wird sich monatlich mit der Entwicklungsgeschichte eines Menschen mit Fluchterfahrung auseinandersetzen und in persönlichen Interviews ihre Visionen und Ziele vorstellen. Undisturbed von Bijan setzt sich strukturell mit der Refugee-Bewegung in Deutschland auseinander und lässt dabei besonders Aktivist_innen zu Wort kommen.

Vom 23. bis zum 25.10.2020 wird in Berlin ein Menschenrechtstribunal stattfinden, dass den Fokus auf die Gesundheit von migrantischen und marginalisierten Gruppen legt. Sechs Redaktionen aus dem Netzwerk werden darüber berichten und aus Reportagen, Interviews und Hintergrundberichten eine gemeinsame einstündige Magazinsendung produzieren. Die Planungen dafür sind auf dem Treffen einen großen Schritt vorangekommen.

Ein großer Erfolg: Das Netzwerktreffen in Kassel.

Zusammenarbeit, Vernetzung, Medienvielfalt: Das Netzwerktreffen in Kassel war ein Erfolg auf der ganzen Linie und hat eine umfangreiche Anzahl von Themen gestartet und weitergebracht. Wir haben uns ausgetauscht und voneinander gelernt, unsere Arbeitsrichtung definiert und korrigiert und uns besser kennengelernt.

Dieses Treffen hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig die Kooperation „face to face“ ist: Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen, Meinungen, politischen Ansichten sind hier zusammengekommen und haben sich ausgetauscht. Die Ansichten gingen oft auseinander, aber der Diskurs war verständnisvoll und fruchtbar – so soll es weitergehen! Wir freuen uns auf das nächste Treffen und auf die gemeinsame Arbeit bis dahin.